Irakische Musikinstrumente: Oud, Santur, Joza & mehr
Irakische Musik wird nicht durch ein einzelnes Instrument bestimmt, sondern durch das Zusammenspiel von Melodie, Maqam, Dichtung und Rhythmus. Oud, Santur, Joza, Qanun, Nay, Riq und Darbuka gehören zum irakischen Musikleben. Ihre Aufgaben unterscheiden sich jedoch zwischen der städtischen Tradition des irakischen Maqam, ländlichen Repertoires, religiösen Zusammenhängen, populärem Lied und modernen Ensembles.
Dieser Leitfaden unterscheidet Instrumente mit besonders enger Verbindung zum Irak von solchen, die in der weiteren arabischen, osmanischen und persisch geprägten Musikwelt verbreitet sind. Oud und Nay sind nicht ausschließlich irakisch; der irakische Santur und die Joza genannte Spießgeige nehmen dagegen im Bagdader Maqam-Ensemble eine besondere Stellung ein.

Was zeichnet irakische Instrumentalmusik aus?
Irakische Instrumentalmusik ist von melodischen Modi, flexibler Intonation, verzierten Phrasen und enger Interaktion mit der Stimme geprägt. Bei einer irakischen Maqam-Aufführung unterstützen die Instrumente den Sänger, kennzeichnen strukturelle Übergänge und reagieren auf den Vortrag der Dichtung, statt nur eine festgelegte Melodie zu begleiten.
Im Irak leben arabische, kurdische, turkmenische, assyrische, armenische, jesidische, mandäische und weitere Gemeinschaften mit eigenen Repertoires und Instrumenten. „Irakische Instrumente“ bezeichnet daher eine vielschichtige Musiklandschaft und kein einheitliches Nationalensemble.
Das irakische Maqam-Ensemble: Chalghi Baghdadi
Das traditionelle Bagdader Ensemble Chalghi Baghdadi steht im Zentrum des irakischen Maqam. Zu seiner Kernbesetzung zählen gewöhnlich Santur, Joza, Tabla oder Dumbak und Riq; im Mittelpunkt steht der Maqam-Sänger. Die genaue Besetzung hat sich je nach Epoche und Musiker verändert.
Ein Chalghi arbeitet nicht wie ein westliches Orchester mit festen notierten Stimmen. Die Spieler kennen den Verlauf des Maqam, die rhythmischen Zyklen und die überlieferten Antwortformeln. Sie verfolgen den Sänger aufmerksam, übernehmen kurze instrumentale Abschnitte und gestalten den Übergang von freien oder flexibel phrasierten Passagen zu metrisch gebundenen Liedformen.
Oud: die einflussreiche bundlose Laute des Irak
Die Oud ist eine bundlose Kurzhalslaute mit tiefer Schale und flacher Decke. Sie wird mit einer Risha gespielt und kann sowohl die feinen Tonhöhenabstufungen des Maqam als auch schnelle, rhythmisch präzise Passagen wiedergeben.

Der Irak nimmt in der modernen Geschichte der Oud eine besondere Stellung ein. Mit der Bagdader Schule werden Musiker wie Şerif Muhiddin Targan, Jamil Bashir, Munir Bashir und Salman Shukur verbunden. Ihr Unterricht und ihre Konzertpraxis prägten die solistische Technik des 20. Jahrhunderts. Irakische Instrumentenbauer und Musiker entwickelten zudem besondere Konstruktionsformen, darunter Ouds mit schwimmendem Steg, die heute von vielen Spielern verwendet werden.
Wie klingt eine irakische Oud?
Es gibt keinen Klang, der jede irakische Oud repräsentiert. Mensur, Beleistung, Decke, Steg, Saiten und Spieltechnik wirken gemeinsam. Viele irakische Modelle mit schwimmendem Steg werden wegen ihrer Klarheit, Projektion und schnellen Ansprache geschätzt; arabische Ouds mit festem Steg können einen runderen Anschlag bieten. Jedes Instrument muss einzeln beurteilt werden.
Santur: die geschlagene Zither des irakischen Maqam
Der irakische Santur ist eine trapezförmige Zither, deren Metallsaiten mit zwei leichten Schlägeln angeschlagen werden. Sein heller, nachklingender Klang kann Maqam-Phrasen umreißen, dem Sänger antworten und metrische Abschnitte im Chalghi-Ensemble gliedern.

Nicht jeder Santur ist austauschbar. Irakische, iranische und weitere Santur-Traditionen unterscheiden sich in Abmessungen, Steganordnung, Stimmlogik, Repertoire und Spieltechnik. Wer irakischen Maqam studiert, sollte ein Instrument und einen Lehrer für genau diese Tradition wählen.
Joza: Bagdads Spießgeige mit Kokosnussschale
Die Joza, auch Jowza oder Jawza geschrieben, gehört zu den Instrumenten mit der engsten Verbindung zum irakischen Maqam. Ihr Name verweist auf die Kokosnussschale, aus der traditionell der kleine Resonator gefertigt wird. Dieser ist mit einer Haut bespannt; das Instrument wird senkrecht gehalten und mit einem Bogen gespielt.
Die konzentrierte, nasale und deutlich artikulierende Stimme der Joza kann den Verzierungen und Tonhöhenbewegungen des Sängers eng folgen. Sie ist nicht bloß ein anderer Name für die Kamancheh. Beide gehören zu einer größeren Familie von Spießgeigen, unterscheiden sich aber in Konstruktion, lokalem Repertoire und Aufführungspraxis.
Qanun: Präzision, Tonumfang und modale Einzelheiten
Der Qanun ist eine gezupfte trapezförmige Zither mit Saitenchören und kleinen Hebeln, häufig Mandals genannt. Mit ihnen lässt sich die Tonhöhe während des Spiels verändern. Das Instrument bietet großen Tonumfang, schnelle Läufe und genau kontrollierte modale Abstufungen.

Der Qanun gehört zu vielen arabischen und türkischen Traditionen und wird im Irak in Kunstmusik, Liedbegleitung und modernen Ensembles eingesetzt. Hebelsystem und Stimmverfahren hängen vom Instrument und der Schule ab. Einstellungen eines anderen Qanun sollten nicht übernommen werden, ohne Saitenlänge und vorgesehene Tonhöhe zu prüfen.
Nay: Atem, Tonhöhe und Phrasierung
Die Nay ist eine randgeblasene Rohrflöte, die im gesamten Nahen Osten gespielt wird. Der Ton entsteht, wenn der Spieler einen schmalen Luftstrom gegen die Kante richtet. Atemdruck, Lippenwinkel und Kopfhaltung steuern Register, Tonhöhenfärbung und Klangfarbe.

In irakischer Musik erklingt die Nay in Kunstmusik-Ensembles, religiösen Zusammenhängen und als Liedbegleitung. Unterschiedliche Längen erzeugen verschiedene Grundtöne, weshalb Spieler meist einen Satz Flöten besitzen. Türkische und arabische Benennungs- und Tonhöhenkonventionen sind nicht immer gleich.
Riq: Rahmentrommel für differenzierten Ensemblerhythmus
Der Riq ist eine kleine Rahmentrommel mit Paaren von Metallschellen. Ein erfahrener Spieler verbindet Fell- und Randschläge, Wirbel und kontrollierte Schellenbewegungen, um einen Iqa‘, also einen rhythmischen Zyklus, fein auszugestalten.

Der Riq ist nicht einfach ein Tamburin für Hintergrundgeräusche. In klassischen und Maqam-geprägten Zusammenhängen kann er die rhythmische Interpretation führen, Übergänge anzeigen und die Dichte rund um Sänger und Melodieinstrumente abstufen.
Darbuka und Tabla: die Stimme der Bechertrommel
Die Bechertrommel heißt je nach Ort und Kontext Darbuka, Dumbak oder Tabla. Im Irak ist Tabla eine übliche Bezeichnung; sie darf nicht mit dem gestimmten Trommelpaar der südasiatischen Musik verwechselt werden.

Die Grundschläge sind ein tiefer Dum nahe der Mitte und ein höherer Tak am Rand. Hinzu kommen gedämpfte Schläge, Schnalzer und Verzierungen. Ton- oder Metallkörper sowie Natur- oder Kunststofffelle reagieren unterschiedlich auf Klima, Anschlag und Verstärkung.
Weitere Instrumente im Irak
Das irakische Musikleben reicht weit über ein einzelnes Bagdader Ensemble hinaus. Je nach Region, Gemeinschaft und Genre begegnen Hörer unter anderem folgenden Instrumenten:
- Khashaba: eine hölzerne Bechertrommel mit enger Verbindung zur Musikkultur Basras und des Südirak.
- Mṭabbag oder Rohrblattinstrumente vom Mijwiz-Typ: Doppelrohre für Volksmusik und Tanz.
- Rababa: regionale Formen gestrichener Lauten in beduinischen und erzählenden Liedtraditionen.
- Tanbur und Lauten der Saz-Familie: besonders in kurdischen, turkmenischen und religiösen Repertoires mit eigenen lokalen Formen.
- Daf und andere Rahmentrommeln: wichtig in kurdischer Musik, religiöser Praxis und bei Festen.
- Moderne Violine, Violoncello und Kontrabass: seit dem 20. Jahrhundert in irakischen Radio-, Theater-, Kunstmusik- und Liedensembles.
Wie der irakische Maqam die Aufgabe eines Instruments verändert
Ein Maqam ist mehr als eine Tonleiter. Er umfasst charakteristische melodische Wege, wichtige Töne, Kadenzverhalten, überlieferte Wendungen und Beziehungen zu Dichtung und Rhythmus. Ein Instrument muss daher mehr leisten, als nur die richtigen Töne zu spielen.
Erfahrene Spieler achten auf Atem, Text und Verzierungen des Sängers. Sie können ein tonales Zentrum halten, eine Phrase beantworten, einen metrischen Abschnitt einleiten oder bewusst Raum lassen. Diese reaktive Praxis ist ein Grund, weshalb Notenschrift allein den Stil des irakischen Maqam nicht vermitteln kann.
Wie wählt man ein Instrument für irakische Musik?
Wählen Sie zuerst die Musiktradition und danach das Instrument. Eine allgemeine arabische Oud eignet sich für viele irakische Repertoires; ein irakischer Santur oder eine Joza erfordert dagegen speziellere Beschaffung, Einrichtung und Anleitung.
| Ziel | Praktischer Einstieg | Vor dem Kauf prüfen |
|---|---|---|
| Irakische Oud lernen | Arabische oder irakische Oud mit passendem Saitensatz | Mensur, Stegtyp, Saitenlage, vorgesehene Stimmung und Rat des Lehrers |
| Irakisches Maqam-Ensemble studieren | Santur oder Joza nur bei Zugang zu Fachunterricht | Traditionsspezifische Konstruktion, Stimmung, Ersatzmaterial und Reparaturmöglichkeiten |
| Rhythmus lernen | Riq oder ausgewogene Tabla/Darbuka | Fellansprache, Gewicht, Randkomfort und lokales Rhythmusvokabular |
| Melodisches Blasinstrument lernen | Arabische Nay passend zum Tonsystem des Lehrers | Länge, Grundton, Lochanordnung und Zustand des Rohrs |
Der Kauf bei einem Fachhändler ist wichtig, weil Produktbezeichnungen oft sehr weit gefasst sind. Bitten Sie um eine klare Aufnahme des tatsächlichen Instruments sowie Angaben zu Maßen, Materialien, Stimmung, Zubehör und Rückgabebedingungen. Prüfen Sie bei seltenen Instrumenten die Verfügbarkeit von Ersatzsaiten, Membranen oder Bögen.
Entdecken Sie bei Sala Muzik Ouds, Santurs, Riqs und Darbukas, oder lesen Sie für den größeren Zusammenhang unseren Leitfaden zur arabischen Musik.
Pflege und Wartung
Holz, Haut, Rohr und Metall reagieren unterschiedlich auf das Klima. Halten Sie Holzinstrumente von heißen Autos, Heizkörpern und schnellen Feuchtigkeitswechseln fern. Wischen Sie Saiten nach dem Spielen ab, entspannen Sie den Bogen und lassen Sie Naturfelltrommeln nach Feuchtigkeit langsam trocknen.
Versetzen Sie keinen Santur-Steg, verändern Sie keinen Joza-Steg, ölen Sie keinen Oud-Wirbel und vergrößern Sie kein Nay-Griffloch ohne fachkundige Anleitung. Kleine Eingriffe können Stimmung, Saitenlage oder strukturelles Gleichgewicht verändern. Verwenden Sie einen passenden Koffer und suchen Sie einen Reparateur, der das jeweilige Instrument kennt.
Häufig gestellte Fragen
Welches Ensemble ist besonders charakteristisch für den Irak?
Das mit dem irakischen Maqam verbundene Chalghi Baghdadi ist besonders charakteristisch. Zur Kernbesetzung gehören meist Santur, Joza, Riq und Tabla oder Dumbak als Begleitung eines Maqam-Sängers.
Ist die Oud ausschließlich ein irakisches Instrument?
Nein. Die Oud gehört zu einer großen Region und vielen Traditionen. Der Irak ist dennoch entscheidend für modernen Oud-Bau, Unterricht und solistische Aufführung, insbesondere durch die Bagdader Schule.
Was unterscheidet Joza und Kamancheh?
Beide gehören zur Welt der Spießgeigen. Die irakische Joza verwendet traditionell einen kleinen Resonator aus Kokosnussschale und besitzt eine eigene Einrichtung und ein eigenes Maqam-Repertoire. Die Namen sind nicht austauschbar.
Ist der irakische Santur dasselbe wie der persische Santur?
Es sind verwandte geschlagene Zithern, doch Konstruktion, Steganordnung, Stimmung und Repertoire können sich unterscheiden. Lernende sollten ein Instrument für die gewünschte Tradition verwenden.
Welches irakische Instrument ist für Anfänger am leichtesten?
Das hängt von verfügbaren Lehrern und dem musikalischen Ziel ab. Auf einer Darbuka entsteht sofort ein erster Ton, gutes Rhythmusspiel braucht jedoch langes Studium. Oud und Nay sind leichter erhältlich, aber technisch anspruchsvoll; Joza und irakischer Santur verlangen Fachunterricht.
Können diese Instrumente westliche gleichstufige Stimmung spielen?
Einige können gleichstufige Musik annähern oder ausführen. Der irakische Maqam verwendet jedoch Tonhöhenabstufungen und melodisches Verhalten, die eine zwölftönige Klaviatur allein nicht abbildet. Instrumenteneinrichtung und geschultes Hören bleiben wichtig.

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